Offener Brief der BI K904 an Kreistagsabgeordnete zur geplanten Omegabrücke in Hailer-Meerholz

Die Bürger-Initiative zum Erhalt der K904 und Kinzigaue (BI K904) hat einen offenen Brief an die Kreistagsabgeordneten aller Fraktionen gerichtet, in dem der Stopp des geplanten Baus der sogenannten Omegabrücke im Stadtteil Hailer-Meerholz gefordert wird.

Die BI K904 setzt sich für den Erhalt der letzten Alleen-Querverbindung im mittleren Kinzigtal ein. Mit dem Bau einer über 14m breiten Omegabrücke wäre unweigerlich eine Verbreiterung der Kreisstraße K904 von 5m auf 7,50m plus Fahrradweg gemäß den Straßenbau-Richtlinien erforderlich, mit erheblichen Eingriffen in die Kinzigaue.

Damit würde die letzte Allee im mittleren Kinzigtal verschwinden; dies will die BI K904 auf jeden Fall verhindern.

Der verschuldete Main-Kinzig-Kreis sollte die Planung stoppen und damit Kosten von 18 bis 25 Mio. Euro einsparen. Auch die Stadt Gelnhausen könnte Kosten in Millionenhöhe für die Verlegung von Gemeindestraßen inklusive Infrastruktur (Gas, Strom, Wasser, Abwasser, Telekommunika- tion) einsparen, wenn die Omegabrücke nicht gebaut wird.

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren des Kreistages,

mit diesem offenen Brief wenden wir uns eindringlich an Sie und fordern den Stopp des geplanten Baus der sogenannten Omegabrücke im Stadtteil Hailer/Meerholz.

Der Brückenbau stellt aus unserer Sicht ein massives Fehlprojekt dar – sowohl aus verkehrlicher als auch aus ökologischer und sozialer Perspektive. Er würde einen gravierenden Eingriff in die Kinzigaue bedeuten und wertvolle Natur- und Erholungsräume dauerhaft zerstören. Die Folgen für Mensch und Umwelt stehen in keinem vertretbaren Verhältnis zu einem fraglichen Nutzen.

Besonders deutlich zeigt sich die Überflüssigkeit dieses Projekts an der aktuellen Verkehrslage: Der Bahnübergang in Hailer/Meerholz ist seit dem 14.11.2023 und somit fast drei Jahren geschlossen. Entgegen den Prognosen von Hessen Mobil und politischen Entscheidungsträgern ist das vorhergesagte Verkehrschaos ausgeblieben. Der Verkehr funktioniert auch ohne Bahnübergang und ohne Brücke. Diese Realität widerlegt die Annahme, dass die Omegabrücke zwingend erforderlich sei.

Statt einer Entlastung ist vielmehr mit einer massiven Mehrbelastung zu rechnen. Prognosen gehen von rund 6.000 Fahrzeugen zusätzlich pro Tag aus, auch durch erheblichen Schwerlastverkehr. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner. Besonders alarmierend ist die erhebliche Gefährdung von Kindern – insbesondere der Schülerinnen und Schüler der Ysenburgschule und den Kindern der drei umliegenden Kindergärten. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen Schloss Meerholz wären extrem betroffen.

Die Bürgerinitiative zum Erhalt der Kinzigaue hat über 2.300 Unterschriften von Einwohnerinnen und Einwohnern aus Hailer und Meerholz gegen den Brückenbau gesammelt. Zusätzlich haben über 500 Bürgerinnen und Bürger Einwendungen gegen das Planfeststellungsverfahren der Omegabrücke beim Regierungspräsidium Darmstadt erhoben. Dieses deutliche Votum der Bevölkerung darf von der Politik nicht ignoriert werden. Demokratische Entscheidungsprozesse leben davon, dass der Wille der Bürgerinnen und Bürger ernst genommen wird.

Hinzu kommt, dass es nicht allein beim Bau der Omegabrücke bleibt. Mit dem Projekt sind erhebliche Eingriffe in die Hindenburgallee, die Liebloser Strasse, die Ladestraße und die Bahnstraße verbunden. Darüber hinaus zieht der Bau der Omegabrücke zwangsläufig einen massiven Ausbau der Kreisstraße K 904 nach sich. Diese zusätzlichen Baumaßnahmen würden die Belastungen für Mensch, Natur und Ortsbild nochmals erheblich verschärfen.

Normalerweise verfolgen Kommunen das Ziel, den Durchgangsverkehr in Ortslagen zu reduzieren oder ganz herauszunehmen. Dass hier genau das Gegenteil geschehen soll, nämlich zusätzlichen Verkehr mitten durch Wohngebiete zu führen, ist absolut nicht nachvollziehbar und widerspricht allen derzeit bekannten und anerkannten Grundsätzen moderner Verkehrsplanung.

Hinzu kommen die sehr hohen Kosten des Brückenbaus sowie die langfristigen finanziellen Folgelasten. Die hierfür eingeplanten finanziellen Mittel sollten stattdessen dringend in die Instandhaltung und die notwendigen Reparaturen der bestehenden Verkehrswege investiert werden. Angesichts knapper öffentlicher Mittel ist es nicht verantwortbar, ein Projekt zu verfolgen, dessen Nutzen weder verkehrlich noch gesellschaftlich überzeugend belegt ist.

Wir fordern den Kreistag daher nachdrücklich auf, den Bau der Omegabrücke zu stoppen, die veränderte Verkehrssituation realistisch neu zu bewerten und den Schutz von Mensch, Natur und Lebensqualität über veraltete Planungen zu stellen.

Mit der Bitte um eine verantwortungsvolle Entscheidung im Sinne der betroffenen Bürgerinnen und Bürger verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

Bürger-Initiative zum Erhalt der K904 und Kinzigaue
sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Hailer und Meerholz